Gleichstellung

Stell Dir Folgendes vor: Du und Dein Kumpel, ihr macht den gleichen Job. Jeden Tag. Ihr setzt Euch mit den gleichen Themen auseinander, habt die gleichen Kolleginnen und Kollegen um Euch herum, ja, vielleicht teilt Ihr Euch sogar ein Büro. Entlohnt werdet Ihr mit Kuchen, denn Kuchen ist ziemlich cool. Und dann steht Ihr beide da, am Ende des Monats, Du und Dein Kumpel, und wartet auf Euren wohlverdienten Kuchen. Der Kuchen für Deinen Kumpel kommt und er denkt sich: „Oh! Eine riesige Schokotorte mit Sahne und Streuseln. Das habe ich mir aber auch verdient!“

Und Du freust Dich, denn – wow, Schokotorte! Dein Kumpel und Du, Ihr habt ja an den gleichen Projekten gearbeitet, beide genauso viel Mühe in Eure Arbeit gesteckt, Ihr beide habt den gleichen Zeitaufwand betrieben. Das Ergebnis war toll. Die Schokotorte hast Du Dir auch verdient. Und dann bekommst Du das:

Einen trockenen Sandkuchen, er bröselt schon, vermutlich eine Backmischung. Und: Ein ganzes Stück fehlt schon! Warum gibt man Dir einen weniger leckeren Kuchen? Und vor allem: Warum hat jemand schon ein Stück gegessen?

Tja, vermutlich liegt es daran, dass Du eine Frau bist. Du wurdest mit zwei X-Chromosomen geboren, wurdest weiblich sozialisiert und fühlst Dich auch als Frau. Eine gute Rechtfertigung, dich weniger gut zu entlohnen, oder?

Das finden wir nicht! Noch immer verdienen Frauen im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer. Warum? So wirklich beantworten kann diese Frage niemand. Wir Jusos haben uns in den letzten Jahren schon dafür eingesetzt, dass Löhne angeglichen werden und Frauen die gleichen Chancen bekommen wie Männer. Der Mindestlohn und der Auskunftsanspruch auf Fragen nach den Kriterien der Entlohnung sind dabei nur kleine Bausteine in die richtige Richtung.

Aber das reicht uns noch nicht. Noch immer ist es so, dass Frauen die berühmte gläserne Decke nicht zerschlagen können. Vor allem talentierte junge Frauen, die in das Berufsleben starten, werden häufig klein gehalten – aus Angst, sie könnten ja vielleicht schwanger werden. Die Folgen sind häufig Teilzeitstellen, die überwiegend von Frauen besetzt werden, prekäre Jobs und sinnlos befristete Verträge. Das führt auch dazu, dass Frauen immer noch unterdurchschnittlich in Führungspositionen vertreten sind. In Deutschland liegt der Frauenanteil in Führungspositionen der wichtigsten Unternehmen bei etwa 32 Prozent. Im europaweiten Durchschnitt sogar nur bei 25 Prozent. Das ist zu wenig.

Wir wollen genauso viele Chefinnen wie Chefs! Denn nur das ist gerecht! Wir wollen veraltete Rollenbilder aufbrechen. Wir wollen makellose Schokotorten für alle!