Kiellinie

Umbennenung des Hindenburgufers

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Die Jusos Kiel begrüßen die Umbennenung des Hindenburgufers. (Pressemitteilung) Den Diskussionprozess hierzu haben wir über längere Zeit begleitet und entscheidend mitgeprägt. Wir haben unter anderem eine öffentliche Diskussion mit zwei Historikern veranstaltet und zusammen mit dem AK Geschichte der Kieler SPD ein Thesenpapier erarbeitet.  Nach Betrachtung der vorliegenden Umstände und Abwägung der Pro- und Kontra-Punkte haben wir uns klar für eine Umbenenung positioniert. Im November 2013 haben wir dazu eine Pressemitteilung veröffentlicht, die in den KN und im SHZ aufgegriffen wurde.

Dazu haben wir einen Antrag in den SPD-Kreisauschuss eingebracht, der in der Sitzung von Dezember 2013 mit leichten Änderungen einstimmig angenommen wurde:

„Die Ratsfraktion wird aufgefordert, eine Umbenennung des „Hindenburgufers“ in Kiellinie anzustreben. Außerdem soll durch entsprechende Maßnahmen – durch das Aufstellen von Hinweistafeln und durchgestrichener Straßenschilder – sichergestellt werden, dass die Umbennenung des Hindenburgufers einen Beitrag zur aktiven Auseinandersetzung mit Paul Hindenburg und der Geschichte unserer Stadt leistet.“

Begründung: Paul von Hindenburg ist in der deutschen Geschichte nicht nur eine sehr umstrittene Persönlichkeit, sondern steht in der historischen Bewertung vielfach im kompletten Gegensatz zu unseren Werten. Hindenburgs antidemokratische bzw. monarchistische Einstellung ist an vielen Stellen belegt. Er ernannte Hitler zum Reichskanzler, obwohl er um dessen demokratiefeindliche Haltung wusste. Sein Anteil an der Verbreitung der Dolchstoßlegende (z.B. im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss 1919), die einer der Sargnägel der Weimarer Republik war, ist ebenfalls belegt. Die aktuelle Geschichtsforschung kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass Hindenburgs Handeln am Ende der Weimarer Republik ein bewusster Akt zielgerichteten politischen Handelns war, wobei er Hitler vollkommen unterschätzte und die Situation falsch bewertete. Hindenburg erhob außerdem keinen Protest gegen die Verwendung seiner Person durch die Nationalsozialisten, z.B. auf deren Wahlplakaten. Er lobte Hitler sogar in einer Radioansprache Ende 1933, also einem Massenmedium der damaligen Zeit.

Eine Straßen-Benennung ist immer auch Zeichen einer Ehrerbietung. Seit man begonnen hat Straßen nach Persönlichkeiten zu benennen, sucht man sich dafür Menschen aus, die etwas Besonderes bewegt haben. Was dabei als ehrenswert verstanden wird, ist stark vom jeweiligen Zeitgeist abhängig. Die Benennung des Hindenburgufers wurde unmittelbar nach der „Machtergreifung“ der NSDAP vorgenommen und im gleichen Jahr machte man Hindenburg zum Ehrenbürger der Stadt. Dass die Namensgebung als Ehrung erfolgte – und zwar von den Nazis – kann also schwer bestritten werden. In einer toleranten und weltoffenen Stadt wie Kiel es heute ist, können die Werte und Taten von Paul von Hindenburg jedoch nicht mehr für ehrenwert gehalten werden.

Auch eine kritische Auseinandersetzung und Erinnerung an unsere Geschichte wird derzeit nicht durch die Namensgebung ausgelöst. Tatsächlich erinnert das Hindenburgufer überhaupt nicht an „unsere“ Geschichte und Hindenburg hat in Kiel außer dem Straßennamen nichts hinterlassen. Erinnerungskultur benötigt mehr als ein unkommentiertes Straßenschild, das überhaupt keine kritische Auseinandersetzung ermöglicht. Wenn das Hindenburgufer umbenannt wird, ist das keinesfalls ein Versuch Geschichte auszulöschen. Der Name „Hindeburgufer“ verweist unweigerlich auf Aspekte der Geschichte wie Militarismus, Monarchie und Antidemokratie. Straßenschilder können dabei nicht die Funktion einer kritischen Auseinandersetzung oder Geschichtsaufarbeitung leisten. Tatsächlich bietet viel mehr eine Umbenennung die Möglichkeit einer intensiven Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte, sofern man Bürgerinnen und Bürger mit in den Prozess einbindet. Die alten Straßenschilder sollten nicht einfach ersetzt werden, sondern z.B. wie es die Stadt Münster bereits vorgemacht hat, durchgestrichen und durch neue ergänzt werden. So kann Geschichte erinnert werden, ohne jedoch die Ehrung aufrechtzuerhalten.

Ein Straßenname ist zudem kein geeignetes Medium für ein Mahnmal. Es bietet keinen Platz für benötigte Erklärungen. Nach dieser Logik hätte man sonst auch am „Adolf-Hitler-Platz“ und der „Straße der SA“ festhalten können. Während diese Orte nach dem Zweiten Weltkrieg in Rathausplatz und Eckernförder Straße umbenannt wurden, fiel die Umbenennung des Hindenburgufers aufgrund von politischen Verhandlungen unter den Tisch. Nicht umsonst wurde ein Teil des Hindenburgufers bereits in Kiellinie umbenannt als die Olympischen Spiele in Kiel zu Gast waren. Hindenburg ist schlichtweg kein geeignetes Aushängeschild!