Treibt uns der Kapitalismus von Krise zu Krise? – Eine Neuauflage der Kapitalismuskritik

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Treibt uns der Kapitalismus von Krise zu Krise? – Eine Neuauflage der Kapitalismuskritik

von Melanie Stöckle

Die Weltwirtschaft befindet sich seit drei Jahren in einem Zustand der Dauerkrise. Euro- Krise, Schuldenkrise und Subprime-Krise dominieren seit dem die Nachrichten und das politische Geschehen. Doch wo liegen die Ursachen der Krise? Krankt der Kapitalismus an sich?

Die Ängste einer verspielten Zukunft, das tagtäglich beobachtete Auseinanderdriften von Arm und Reich und der Ärger darüber, dass Investmentbanken ohne jegliche demokratische Legitimation und ohne Verantwortungsbewusstsein die Gesellschaft spalten, bringt derzeit Demonstranten aller Bevölkerungsschichten auf die Straßen. New York, Sydney, Frankfurt, Berlin und Kiel: Weltweit gehen die Menschen auf die Straßen, um auf ihre Ängste aufmerksam zu machen. Sie sind sich einig, dass es mit dem Kapitalismus so nicht weiter gehen kann. Ist dies das Auftauchen der sprichwörtlichen Spitze des Eisberges?

Was treibt die zuvor nicht politisch Aktiven auf die Straße? Ist es die Angst vor dem Verlust der eigenen finanziellen Sicherheit, die Ungewissheit über die weitere Entwicklung des Euro-Rettungsschirms oder gar das Unrechtsbewusstsein, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht? Die Krise ist dann bei der Bevölkerung angekommen, wenn sich der Einzelne selbst von ihr betroffen und gefährdet sieht. Der persönliche Bezug erhöht die eigene Bereitschaft sich einzubringen und der internationale Bezug der aktuellen Kapitalismuskritik verdeutlicht die Brisanz und Bedeutsamkeit der Auseinandersetzung mit dieser Thematik.

Doch die Kapitalismuskritik ist keine neue Erfindung. Die Kritik am Kapitalismus ist so alt wie der Kapitalismus selbst und blickt mittlerweile auf eine mehr als 200jährige Geschichte zurück. Der Kapitalismus strukturiert unsere Gesellschaft und verhindert somit eine Gesellschaft, in der die Menschen frei und gleich leben. Da die kapitalistische Gesellschaft auf dem Marktprinzip basiert, gehört die Konkurrenz unzertrennlich zum Kapitalismus. Durch Konkurrenz gibt es am Ende immer Gewinner und Verlierer, dieses Konkurrenzprinzip produziert letztendlich auch soziale Ungerechtigkeit. Wenn man sich für eine Gesellschaft einsetzen will, in der alle in Freiheit und Gleichheit leben können, muss man sich für seine Interessen einsetzen und diese artikulieren.

Statt nur auf eine rein außerparlamentarische Organisationsform zu setzen, darf man einerseits die praktische Kapitalismuskritik und andererseits den demokratischen Weg als zwei Grundpfeiler der aktiven Neu- und Umgestaltung des Kapitalismus und seiner Folgen in unserer Gesellschaft auf keinen Fall vernachlässigen! Die praktische und umgesetzte Kapitalismuskritik kann sich im Aufbau genossenschaftlich organisierter Banken, Unternehmen oder alternativer Wirtschaftsbereiche äußern. Altruistische Ziele, am Gemeinwohl orientierte Aufgaben, von Unternehmen oder Akteuren in einzelnen Wirtschaftssegmenten stehen im Gegensatz zu reinem Gewinnstreben und müssen in unserer Gesellschaft deutlicher forciert werden.

Die Jusos und die SPD kämpfen für eine stärkere Kontrolle der Finanzwirtschaft. Eine private Gläubigerbeteiligung bei der Bewältigung der europäischen Schuldenkrise ist ebenso sinnvoll wie eine Finanztransaktionssteuer, dies soll verhindern, dass nicht nur der einfache Steuerzahler für die Folgen der Krise geradestehen muss. Partizipation – die aktive Mitarbeit in Parteien, Verbänden und Gewerkschaften bietet die Möglichkeit sich am Mitgestaltungsprozess einzubringen und die eigenen Interessen zu vertreten. Auch dann, wenn außerparlamentarische Protestbewegungen nicht mehr im
kollektiven Bewusstsein der Bevölkerung präsent sind.

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