„Jeder Mensch hat das Recht in Würde zu sterben“

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„Jeder Mensch hat das Recht in Würde zu sterben“

 Saartje Vandenbroucke,  Bundesvorstandsmitglied  der Jongsocialisten

Bei der Diskussion um ein politisches Vorgehen in Deutschland darf selbstverständlich der Blick über den Tellerrand nicht fehlen. In der europäischen Nachbarschaft haben die Niederlande, Belgien und Luxemburg die aktive Sterbehilfe legalisiert. Insbesondere in Belgien ist ein sehr umfangreiches Sterbehilfegesetz beschlossen worden, welches auch todkranken Kindern die Möglichkeit gibt, über ihr eigenes Leben zu verfügen.

Um mehr über die Situation in Belgien zu erfahren, haben wir Saartje Vandenbroucke von unserer Schwesterorganisation, den belgischen Jongsocialisten, zum Thema Sterbehilfe befragt.

Was für eine Position nehmt ihr gegenüber aktiver Sterbehilfe und Beihilfe zur Selbsttötung ein?

Wir befürworten die Entscheidung von Menschen über ihr eigenes Leben selbst zu bestimmen. Auf Grundlage dessen unterstützen wir das Recht auf Sterbehilfe und Beihilfe zur Selbsttötung. Wir betonen, dass jeder Mensch das Recht hat in Würde zu sterben. Menschen, welche unerträglichem Leid ausgesetzt sind, sollte es erlaubt sein, nach selbst gestellten Bedingungen sowie in einer anständigen und geregelten Art und Weise über ihr Lebensende zu entscheiden. Wir befürworten zudem eine Ausweitung des aktuell bestehenden Rechtes in Belgien. Dabei hoffen wir, dass die breite gesellschaftliche Unterstützung für den Einbezug von Minderjährigen in das Sterbehilfegesetz sich nun auch in eine breite Unterstützung durch die institutionelle Politik übersetzen lässt. Dies wird zur Zeit noch in den politischen Spähren Belgiens diskutiert.

Was sind die Gründe für eure Position?

Wir betonen noch einmal, dass jeder Mensch das Recht hat in Würde zu sterben.

Welche Rahmenbedingungen müssen sichergestellt sein, damit aktive Sterbehilfe und Beihilfe zum Suizid legalisiert werden können?

Es sollte einen zwischen Ärztinnen und Ärzten (sowie Politikern) beschlossenen Kriterienkatalog geben, anhand dessen eine Patientenanfrage für aktive Sterbehilfe genehmigt werden kann. Diese Kriterien sollten klar und deutlich sein, aber auch einen Interpretationsspielraum für den zuständigen Arzt bzw. die Ärztin lassen. Wichtig hierbei ist, dass nicht bloß ein einzelner Arzt oder eine einzelne Ärztin die Genehmigung für die Durchführung der Sterbehilfe erteilen, sondern vorzugsweise eine Gruppe von fachübergreifenden Ärztinnen und Ärzten. Nichtsdestotrotz – je eindeutiger die Kriterien sind, desto weniger Kontroversen wird es geben.

Im Falle von Minderjährigen ist die Genehmigung der Eltern verpflichtend, sollte jedoch in einigen Sonderfällen übergangen werden dürfen. Für die zu fällende Entscheidung setzen wir nicht auf ein Mindestalter der entscheidenden Person, sondern schlagen eine ‚Mündigkeits-Klausel‘ vor, welche als eine Feststellung dienen soll, ob der oder die Minderjährige imstande und mündig genug ist, einen selbstständigen Entschluss über sein oder ihr Leben zu fällen. Somit ist das Alter, ab welchem ein Kind diese Entscheidung treffen kann, von Kind zu Kind unterschiedlich.

[hide-this-part morelink=“Original Fragen und Antworten – Englisch“]

What is your position on euthanasia and assisted suicide?

We support the choice of individuals to decide over their own lives, therefore we support euthanasia and assisted suicide. We emphasize that everyone has the right to die with dignity. People that are suffering too much should be allowed to decide to end their life on their own terms and in a respectable and controlled manner. We are also in favour of an expansion of our current law. We hope that the broad public support for the inclusion of minors in the law is also translated into a broad political support. This is currently being debated on the Belgian political forum.

What are the reasons for your opinion?

We emphasize once again that everyone has the right to die with dignity.

Which framework conditions have to be ensured in order to legalise euthanasia and assisted suicide?

There should be a clear set of conditions agreed upon between doctors (and politicians) on which terms a patient’s request for euthanasia is approved. The conditions should be clear, but leave some room for interpretation by the doctors responsible. Importantly, there is not solely one doctor who grants permission, but preferably a group of multidisciplinary doctors. However, the clearer the conditions the less controversy there will be.

In the case of minors, permission of the parents is obliged, but could in some cases be overruled. We do not set a minimum age, but propose a sort of ‚maturity clause‘, which can be seen as a constatation that the minor is able and mature enough to make his/her own decision on his/her life. The age on which a child can make this decision depends from child to child.

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Weitere Beiträge zur internationalen Sicht auf Sterbehilfe finden sich hier

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1. Einleitung – Was ist Sterbehilfe?

2. Christliche Perspektive – Die Nordkirche

3. Humanistische Perspektive – Der HVD

4. Mehr Freiheit am Lebensende – Die DGHS

5. Lebenserhaltung als Verpflichtung – Die BÄK

6. Rechtsphilosophische Sicht – Norbert Hoerster

→Belgischer Blick – Die Jongsocialisten

8. Ansichten in der SPD (I) – Kerstin Griese

9. Ansichten in der SPD (II) – Ulf Kämpfer[/hide-this-part]

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