Monatsarchiv 6. April 2019

Von

Sport ist die wichtigste Schnittstelle unserer Gesellschaft

In vielen Bereichen des Lebens kommen wir mit dem Thema Sport in Berührung. Ob während der Schulzeit im Schulsport, beim Betriebssport mit den Arbeitskolleg*innen oder in der wöchentlichen Sportgruppe mit anderen Senior*innen. Doch eigentlich ist Sport viel mehr, als nur die bloße körperliche Betätigung.

Der Internationale Tag des Sports für Entwicklung und Frieden, der jährlich am 06. April stattfindet, beschreibt bereits zwei wichtige Kernpunkte des Sports: Entwicklung und Frieden. Darüber hinaus zählen aber noch weitere gesellschaftliche Querschnittshemen, wie z. B. Inklusion und Integration, zu den Aufgaben des Sports. Sport kann auf allen Ebenen politisch diskutiert und auch gefördert werden. Die Kommune spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Entwicklung, Engagement und Ehrenamt
Sport ist für die Entwicklung unserer Persönlichkeit und unseres Denken und Handelns von enormer Bedeutung. Vor allem die inneren Werte, wie Fairness, Zusammenarbeit und Respekt, werden in allen Sportarten gleichermaßen gefordert und bilden das Fundament für die eigene Entwicklung. Aber auch das ehrenamtliche Engagement, welches von Anfang an in den Vereinen vermittelt wird, ist wertvoll, um zu lernen, Verantwortung für andere Menschen zu übernehmen. Durch den Druck unserer Leistungsgesellschaft, immer schneller die Schule abzuschließen und einen Beruf auszuüben nimmt dieses Engagement ab. Durch die komprimierten Lehrpläne und den langen Schultagen fehlt ihnen oftmals die Zeit. Diese Herausforderung kann durch die Integration (verpflichtender) ehrenamtlicher Aufgaben, z. B. im Sportstudium oder im Rahmen von Praxiszeiten in der Schule, gemeistert werden.

Verständigung als Grundlage für Frieden
Der Bezug zum Frieden ist ebenfalls nicht ungewöhnlich. Schon 800 v. Chr. wurde zwischen griechischen Stämmen ein Abkommen geschlossen, um den sicheren Ablauf der Olympischen Spiele zu gewährleisten. Diesen Gedanken griff Pierre de Coubertin bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit 1896 wieder auf. Er wollte den „nationalen Egoismen“ entgegenwirken und für eine internationale Verständigung eintreten. Nach seiner Auffassung sollte man sich lieber in „sportlichen Wettkämpfen messen als sich auf dem Schlachtfeld zu bekriegen“. Sport ist auch heute, trotz der Kommerzialisierung der Olympischen Spiele oder der Ausbeutung rund um sportliche Großereignisse, immer noch eine der wichtigsten Formen der Völkerverständigung. Die Sprachbarrieren spielen keine Rolle, die Herkunft ist egal, denn es geht einzig und allein um den Sport.

Integration & Inklusion im Sport
Sport ist darüber hinaus auch in anderen wichtigen Querschnittsthemen ein wesentlicher Eckpfeiler. So übernehmen die Vereine oftmals die Verantwortung für geflüchtete Menschen, indem sie wichtige Integrationsarbeit leisten. Beim Training lernen die Kinder und Jugendlichen die Sprache, sie kommen in den Austausch mit Gleichaltrigen und haben Spaß. Das gleiche gilt im übrigen auch für den Bereich der Inklusion. Durch den Sport werden mögliche Barrieren umgangen, da das Miteinander und die Sportart im Vordergrund stehen. Ob ein Mensch eine Behinderung hat oder nicht, spielt in einer Sporthalle oder auf dem Sportplatz keine Rolle. Allerdings müssen hierfür natürlich von Anfang an die Voraussetzung geschaffen werden. Das fängt mit einem barrierefreien Zugang zu den Veranstaltungsorten an und geht bis zur Schulung von Übungsleiter*innen, wie sie die Sportler*innen entsprechend ihrer Fähigkeiten trainieren können.

Sport verbindet Menschen
Dass das alles ehrenamtlich von vielen Millionen Sportler*innen in Deutschland und auf der ganzen Welt gestemmt wird, ist beeindruckend. Es birgt aber auch eine große Gefahr, wenn diese Gedanken, auf Grund von mangelndem Engagement oder fehlenden Mitgliedern verloren gehen

Grundsätzlich sollte in den kommenden Jahren wieder verstärkt der Fokus auf eine frühzeitige und vielfältige sportliche Betätigung in den Schulen und im Sportunterricht geachtet werden. Dabei müssen Wege gefunden werden, wie die Schulen und Vereine vor Ort angemessen kooperieren können. Denn die Leidenschaft für eine Sportart kann am Besten von den Sportler*innen selbst vermittelt werden.

Sport verbindet alle Menschen und ist somit mit Abstand die größte Schnittmenge unserer Gesellschaft und durch die Bewältigung dieser wichtigen Querschnittsaufgaben von größter Bedeutung. Kein Kind sollte ohne Sport aufwachsen. In Kiel haben wir das Ziel, dass jedes Kind schwimmen lernen soll, was durch die unmittelbare Nähe zum Wasser nicht weit hergeholt ist. Jedes Kind sollte aber auch von Anfang an die Möglichkeit bekommen, vernünftig Sport lernen und ausüben zu können.

Dies ist ein Beitrag unseres Ratsherren Philip Schüller.
>>Seine Homepage
>>Seine Facebook-Seite

Von

Schulpolitik aus kommunaler Perspektive – ein Debattenbeitrag

Schulpolitik ist eines, wenn nicht das Kernthema sozialdemokratischer Politik. Das mag vielleicht etwas pathetisch klingen, ist aber nur konsequent – zumindest, wenn man sich als die Partei der sozialen Gerechtigkeit begreift.

Denn soziale Ungerechtigkeit beginnt bei der Geburt, verstärkt sich in der frühkindlichen Bildung und manifestiert sich spätestens in der Grundschule. Möchte man eine sozial gerechtere Gesellschaft schaffen, sollte man früh anfangen. Nicht zuletzt deswegen steht die SPD für die Einheitsschule.

So viel zum theoretischen Konstrukt. Blickt man nun aber auf die kommunale Realpolitik, stößt man doch recht schnell an Grenzen und Widerstände.

Fakt ist: Gemeinschaftsschulen und Gymnasien existieren nebeneinander. Fakt ist: Gymnasien verzeichnen neuerdings in Kiel die höheren Anmeldezahlen als Gemeinschaftsschulen – trotz kleinerer Zielgruppe. Eltern wünschen sich für ihre Kinder die bestmögliche Ausbildung, das kann ihnen auch keiner verübeln. Man sieht also: Eltern gehen davon aus, dass ihre Kinder auf dem Gymnasium besser ausgebildet werden. Vermutlich, da sie denken, hier seien die Klassen leistungshomogener und –stärker als auf den Gemeinschaftsschulen.

Doch nicht nur bei den Eltern, auch bei den Lehrkräften ist das Gymnasium beliebter.

Wir müssen uns also eine entscheidende Frage stellen: Wie können wir die Attraktivität der Gemeinschaftsschulen erhöhen, um Eltern und Lehrkräfte für diese Schulform wieder zu begeistern?

Die Antwort liegt eigentlich auf der Hand. Die Rahmenbedingungen der Gemeinschaftsschulen müssen erheblich verbessert werden. Denn sie sind es, die für Inklusion stehen und sie Tag für Tag umsetzen. Dazu zählt eine höhere Zuteilung an Sozialpädagog*innen, Schulbegleiter*innen, Schulsozialarbeiter*innen und Sonderpädagog*innen. Dazu zählen auch eine bessere räumliche Ausstattung und eine entsprechende technische Ausstattung.

Und genau diese Rahmenbedingungen können wir auch kommunal gestalten. Dazu gehört, die räumlichen Gegebenheiten den neuesten pädagogischen Anforderungen anzupassen. Bisher erfüllen wir in Kiel nicht einmal die bisherigen Raumstandards.

Bereits für dieses Jahr haben wir für viele Schulen die Ausstattung an Schulsozialarbeiter*innen erhöht. Insbesondere Schulen mit hoher Integrationsleistung benötigen noch mehr Unterstützung.

Eine besondere Chance ist die bevorstehende Planung einer weiterführenden Schule im Kieler Süden. Wir müssen die Möglichkeit nutzen, hier eine Gemeinschaftsschule entstehen zu lassen, die zeigt, wie moderne inklusive Bildung gelingen kann und welchen gesamtgesellschaftlichen Wert sozialdemokratische Bildungspolitik hat.

(Dies ist ein Beitrag unseres Ratsherren Tobias Friedrichs)