Schulpolitik aus kommunaler Perspektive – ein Debattenbeitrag

Schulpolitik aus kommunaler Perspektive – ein Debattenbeitrag

Schulpolitik ist eines, wenn nicht das Kernthema sozialdemokratischer Politik. Das mag vielleicht etwas pathetisch klingen, ist aber nur konsequent – zumindest, wenn man sich als die Partei der sozialen Gerechtigkeit begreift.

Denn soziale Ungerechtigkeit beginnt bei der Geburt, verstärkt sich in der frühkindlichen Bildung und manifestiert sich spätestens in der Grundschule. Möchte man eine sozial gerechtere Gesellschaft schaffen, sollte man früh anfangen. Nicht zuletzt deswegen steht die SPD für die Einheitsschule.

So viel zum theoretischen Konstrukt. Blickt man nun aber auf die kommunale Realpolitik, stößt man doch recht schnell an Grenzen und Widerstände.

Fakt ist: Gemeinschaftsschulen und Gymnasien existieren nebeneinander. Fakt ist: Gymnasien verzeichnen neuerdings in Kiel die höheren Anmeldezahlen als Gemeinschaftsschulen – trotz kleinerer Zielgruppe. Eltern wünschen sich für ihre Kinder die bestmögliche Ausbildung, das kann ihnen auch keiner verübeln. Man sieht also: Eltern gehen davon aus, dass ihre Kinder auf dem Gymnasium besser ausgebildet werden. Vermutlich, da sie denken, hier seien die Klassen leistungshomogener und –stärker als auf den Gemeinschaftsschulen.

Doch nicht nur bei den Eltern, auch bei den Lehrkräften ist das Gymnasium beliebter.

Wir müssen uns also eine entscheidende Frage stellen: Wie können wir die Attraktivität der Gemeinschaftsschulen erhöhen, um Eltern und Lehrkräfte für diese Schulform wieder zu begeistern?

Die Antwort liegt eigentlich auf der Hand. Die Rahmenbedingungen der Gemeinschaftsschulen müssen erheblich verbessert werden. Denn sie sind es, die für Inklusion stehen und sie Tag für Tag umsetzen. Dazu zählt eine höhere Zuteilung an Sozialpädagog*innen, Schulbegleiter*innen, Schulsozialarbeiter*innen und Sonderpädagog*innen. Dazu zählen auch eine bessere räumliche Ausstattung und eine entsprechende technische Ausstattung.

Und genau diese Rahmenbedingungen können wir auch kommunal gestalten. Dazu gehört, die räumlichen Gegebenheiten den neuesten pädagogischen Anforderungen anzupassen. Bisher erfüllen wir in Kiel nicht einmal die bisherigen Raumstandards.

Bereits für dieses Jahr haben wir für viele Schulen die Ausstattung an Schulsozialarbeiter*innen erhöht. Insbesondere Schulen mit hoher Integrationsleistung benötigen noch mehr Unterstützung.

Eine besondere Chance ist die bevorstehende Planung einer weiterführenden Schule im Kieler Süden. Wir müssen die Möglichkeit nutzen, hier eine Gemeinschaftsschule entstehen zu lassen, die zeigt, wie moderne inklusive Bildung gelingen kann und welchen gesamtgesellschaftlichen Wert sozialdemokratische Bildungspolitik hat.

(Dies ist ein Beitrag unseres Ratsherren Tobias Friedrichs)

Über den Autor

Redaktionsteam administrator