Junge Mobilität oder Warum Kiel eine Tram braucht

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Junge Mobilität oder Warum Kiel eine Tram braucht

Ein Beitrag von Lorenz Burghardt

Moin!

Ich bin Lorenz, 28 Jahre alt, und habe keinen Führerschein. Als gebürtiger Hamburger brauche ich den auch nicht. Im Gegenteil: Mit dem Auto steht man in Hamburg nur im Stau und Parkplätze findet man eh nicht, aber man kommt mit S- und U-Bahn schnell und klimafreundlich überall hin.

Als ich 2016 angefangen habe in Kiel zu studieren und am Anfang noch aus Hamburg gependelt bin, war die Bahnverbindung zwar ziemlich gut, alle halbe Stunde kommt man von Hamburg nach Kiel, aber die Busse zur Uni waren, und sind es immer noch, heillos überfüllt. Nachdem ich dann auch nach Kiel gezogen bin, war dann natürlich das Fahrrad wieder mein Verkehrsmittel Nummer Eins, denn anders als in Hamburg ist der Zustand der Fahrradwege in Kiel top (verglichen mit Hamburg), aber leider der innerstädtische ÖPNV deutlich unattraktiver.

Ich habe mich dann auch direkt gefragt, warum Kiel eigentlich kein hochwertiges ÖPNV- System hat, was für Städte dieser Größenordnung eigentlich Standard sein sollte, und wurde dann über die Geschichte der geplanten Stadtregionalbahn und ihr Scheitern an ausgerechnet zwei Grünen Kreistagsabgeordneten im Kreistag RD-ECK informiert. Damals plante die Stadt Kiel gemeinsam mit den Umlandkreisen eine regionale höherwertige ÖPNV-Lösung.

Während einige dieses Projekt insgesamt dann im Scheitern sahen, setzte sich glücklicherweise frühzeitig der Verein Tram für Kiel e.V. dafür ein, dass nun die Stadtgesellschaft selbst eine eigene Lösung plant. Und erste Erfolge sind auch schon zu verzeichnen. Ein erster Meilenstein war der Beschluss von Planung und Bau eines höherwertigen ÖPNV-Systems in Kiel durch die Ratsversammlung am 15. November 2018.

Es ging dann los mit einer Grundlagenstudie welche 2019 vorgestellt wurde und in der es heißt: „Aus gutachterlicher Sicht ist die Errichtung eines Tramnetzes für die Landeshauptstadt Kiel aus verkehrlicher, städtebaulicher und ökonomischer Sicht die sinnvollste Variante, deren Umsetzung durch vertiefte Untersuchungen und die Einleitung eines breiten öffentlichen Beteiligungsprozesses eingeleitet werden sollte.“

Um aber alle demokratischen Parteien mitzunehmen einigte man sich auf den „Nahverkehrsfrieden“: Die Systementscheidung ob es nun eine Tram oder ein BRT (Bus Rapid Transit)-System werden soll, soll erst nach Vorliegen der Trassenstudie in 2022 fallen.

Für uns Jusos ist klar, dass die Tram bzw. Stadtbahn die deutlich bessere Variante darstellt. Die Gründe werde ich später darlegen, jetzt folgt vorerst ein Ausblick auf die groben Linienverläufe.

Aktuell wird das Kernnetz geplant, also die ein bis zwei Linien, welche zum Start der Stadtbahn gebaut und in Betrieb genommen werden sollen, da sie die meiste Entlastung bringen werden. Wer Kiel kennt weiß, dass aktuell die meistbefahrenen Buslinien jene in die Wik, zur Uni, nach Mettenhof und über Gaarden nach Dietrichsdorf sind. Vermutlich die Linien 11, 14 und der Zweig von der Holtenauer zur Uni werden mit als Erstes gebaut, wobei die genaueStreckenführung noch offen ist. Ferner werden in dieser Trassenstudie auch mögliche Erweiterungen untersucht, das heißt der Kieler Süden und Russee sind auch nicht abgehängt.

Die spannendste Entscheidung dieses Jahr wird aber natürlich die Systemfrage sein, also ob künftig wieder Schienen in Kiel liegen werden (Stadtbahn), oder einfach längere Busse auf einer eigenen Trasse fahren sollen (BRT). Warum wir Jusos für die Stadtbahn sind, erläutere ich nun anhand einiger Aspekte.

  1. Der Klimaschutz: Stadtbahnen fahren auf Schienen und verursachen, anders als das BRT, keinen Reifenabrieb. Es fällt also kein Mikroplastik an, höchstens Metallspäne, welche per Magnet aufgefangen und gut recycelt werden kann. Eine Stadtbahn kann auch auf Rasengleisen fahren. Der Rasen liegt dann zwischen den Schienen und sorgt neben der Bindung von CO 2 auch für Lärm- und damit Umweltschutz.
  2. Die Kosten: Es stimmt, die Investitionskosten der Stadtbahn sind anfangs höher als beim BRT, dafür ist aber der Unterhalt deutlich niedriger, denn Züge haben eine längere Lebensdauer als Autos. Des Weiteren gibt es aktuell nur Fördermittel für schienengebundenen Nahverkehr von Seiten des Bundes, die Tram ist also für den Kieler Haushalt deutlich besser.
  3. Die Kapazität: Stadtbahnen lassen sich problemlos aneinander koppeln, wo anfangs ein Zug alle zehn Minuten reichen kann, kann bei Bedarf die Kapazität ohne Probleme verdoppelt werden.
  4. Der Platzverbrauch: Eine Tram benötigt eine deutlich schmalere Trasse als ein BRT, es wird also deutlich weniger knapper Raum benötigt.
  5. Die Erweiterbarkeit: Es ist möglich, dass in der Zukunft auch das Projekt Stadtregionalbahn mit der Tram weiterverfolgt werden kann. Ein Zug kann dann an der Uni starten und im Bahnhofsbereich auf die Schienen der Deutschen Bahn wechseln und in Preetz enden.

Diese Punkte sollen aufzeigen, warum die Tram für Kiel die einzig sinnvolle Alternative ist. Wir Jusos hoffen auf die richtige Entscheidung der Kooperation und freuen uns schon auf die erste Tramfahrt zur Uni.

Solidarische Grüße,

Lorenz

Übrigens: Wenn ihr selbst Mal Straßenbahnfeeling spüren wollt, dann gibt es in der Kieler Region eine gute Adresse. Das Straßenbahnmuseum am Schönberger Strand hat einige fahrtüchtige, auch Kieler Straßenbahnen und ist in den Sommermonaten geöffnet. Infos findet ihr hier: https://www.vvm-museumsbahn.de/?id=200

Quellen:

Eine Übersicht des aktuellen Planungsstandes findet man auf https://tram-kiel.de/plaene-fuer-kiel

https://www.kiel.de/de/umwelt_verkehr/_dokumente_kiel_bewegt_sich/190809_Entwurf_Externe_Grundlagenstudie_Kiel.pdf
https://blog.kn-misch.de/2021/11/welches-Oepnv-system-fuer-kiel.php

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