Rotkielchen Blog: Kita-Reform

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Rotkielchen Blog: Kita-Reform

Seit Jahren wird über eine mögliche Kita-Reform debattiert und wie sie aussehen könnte. Es gab viele Ideen. Aber Ideen kann man viele haben, die Umsetzung ist etwas ganz anderes. Zufrieden sind wir noch lange nicht! Wenn die SPD es dieses Jahr schafft die Regierung zu stellen, wird die Kita-Reform endlich offensiv bearbeitet werden können. Und die Menschen haben es bitter notwendig. Alles wird aktuell teurer und ein Ende ist leider nicht in Sicht, von der moralischen Frage ganz zu schweigen, ob man Eltern bei Erziehungsunterstützungen das Geld aus der Tasche ziehen sollte. Man mag gar nicht glauben, wie hoch die Beiträge der Eltern sind und das wurde auch lange unterschätzt. Die Koalition von 2017 hat keinen wirklichen Fortschritt erzielt, eher sogar Rückschritte gemacht. Es hat sich nichts geändert. Keine Entlastungen der Kommunen, keine Entlastungen der Eltern und keine Verbesserung der Qualität. Es gab große Versprechen, doch die Hoffnungen und Erwartungen wurden verfehlt und zerstört. Kita-Träger, Elternvertretungen, Kommunen und Städte finden alle mehr Kritikpunkte als positives an der Reform. Denn warum sollte man die Situation der Menschen denn verbessern? Alles überbewertet und kostet auch noch Geld! Apropos Geld, die Kita-Reform der Jamaika-Koalition kostet sogar mehr als angedacht war. Die SPD hat viele Ideen. Ideen, die unseren Namen widerspiegeln. Und es ist die Zeit gekommen, das zu beweisen.

Um überhaupt Kinder betreuen zu können, brauch man Sozialpädagogische Assistenten und Erzieher. Doch die Anfragen nach Ausbildungsplätzen gehen besonders beim Erzieher langsam zurück. Grund dafür sind die nicht vorhanden Ausbildungsvergütungen. Wenn man eine Ausbildung als SPA beginnt und den Erzieher dranhängt, sind 5 Jahre vergangen. 5 Jahre, in denen man keinen einzigen Cent bekommt. Es mag zwar Bafög geben, aber das ist wohl kaum ein wirklicher Ersatz. Die Kitas werden immer weiter ausgebaut und es kommen immer mehr Kinder in die Einrichtungen, doch es gibt immer weniger Erzieher. Etwa 28% aller Erzieher leiden an Burnout Symptomen. Die wenigsten bleiben über mehrere Jahre im Beruf oder erreichen gar das Rentenalter. Auch wird davon geredet, mehr Ausbildungsplätze zu schaffen. Es brauch aber nicht mehr Plätze, sondern mehr Geld (oder überhaupt Geld). Ein Antrag der SPD zu einer Ausbildungsreform lag 2 Jahre beim Bildungsauschuss des Landes und wurde dann abgelehnt. Eine solche Reform legt aber den Grundstein für das weitere Handeln. Ohne Fachkräfte, keine Kita-Reform.

Wie schon gerade angeschnitten, sind die Plätze für Kinder bisher nicht beitragsfrei. Im Gegenteil, sie sind sogar ziemlich teuer. Laut den Kieler Nachrichten kostet ein Platz, mit 8 Stunden täglicher Betreuung, für ein Kind unter 3 Jahren maximal 232€ und ein Platz für Kinder über 3 Jahren 233€. Diese Obergrenzen gelten seit dem 1. August 2020, bzw. dem 1. Januar 2022.. Für Menschen unter einem gewissen Einkommen gilt dieser Betrag nicht, sie sind von den Gebühren befreit. Für Geringverdiener gibt es Ermäßigungen, doch auch dieser Rahmen ist, wenn beide Eltern in Teilzeit arbeiten, schnell erreicht und voll bezahlen. Zu den Betreuungskosten kommen noch die Essenskosten hinzu, für die es übrigens keine Obergrenze gibt. Für 2 Kinder zahlt man also um die 500€ im Monat. Die SPD möchte bis 2027 die Kinderbetreuung in der Grundversorgung von 5 Stunden beitragsfrei anbieten. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, jedoch ist das Problem noch lange nicht behoben.

Vergessen, oder ausgeklammert, wurden bei der bisherigen Reform auch Kinder mit Behinderungen. Sie benötigen ganz spezielle Unterstützung und auch teils spezielle Einrichtungen. Obwohl das die Aufgabe des Landes ist, da die UN-Behindertenrechtskonvention dies am 13.06.2006 beschloss und am 03.05.2008 in Kraft treten ließ, ist wenig umgesetzt worden.

Zudem veränderte sich nichts an der Qualität in den Einrichtungen. Die neuen Standards waren in den meisten Gebieten schon erreicht und es war auch nicht selten, dass Kommunen oder Städte ihre eigentlich besseren Standards senkten, schließlich zahlt das Land nur für die festgelegten Standards Die Quantität nahm ab und die Qualität nahm nur wenig zu. Genau das Gegenteil wurde erreicht. Es wird immer mehr Geld aus dem Bildungs- und Familiensektor raus genommen. Bildung und Familie haben schon immer viel Geld gekostet, aber es hat sich gelohnt. Dieser leichtfertige Umgang mit Menschen und ihren Kindern ist höchst beschämend.

Abschließend kann man sagen, dass wir dringend Reformen brauchen. Damit schützen wir nicht nur unsere Kinder, sondern auch die Menschen darum herum. Vor allem muss sich schnell etwas ändern, denn sonst wird Schleswig Holstein und auch Deutschland große Probleme bekommen. Ein Burnout ist nicht in einer paar Wochen abgesessen. Manche Menschen können dadurch nie wieder arbeiten und am öffentlichen Leben teilhaben. Das hat nichts mehr mit Menschenwürde zu tun. Eine verlässliche Finanzierung und Umsetzung der Kita-Politik ist uns wichtig und hier werden wir Jusos dran bleiben, damit Verbesserungen gut umgesetzt werden können.

Übrigens möchte ich mich an dieser Stelle bei Annika Schütt und Serpil Midyatli bedanken, die mir bei diesem Artikel sehr geholfen haben.

– Justin

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